Wann war das letzte Mal, dass du gesagt hast: “Ich hab meine Meinung geändert” oder „Du hast Recht.“? Oder deine Verletzlichkeit, deine Traurigkeit, deine Wut gezeigt hast, die gerade in dir aufsteigt? Oder dich hast von deinem Gegenüber mitreißen lassen?
Sich verändern zu lassen erfordert Mut, denn sie geht gegen unser Bedürfnis, richtig zu liegen und oft auch gegen unsere Identität, die wir uns mühsam bewahren wollen.
Und trotzdem macht die Fähigkeit, sich berühren, und verändern zu lassen vom Gegenüber eine*n tolle*n Gesprächspartner*in aus und natürlich eine*n wirklich gute*n Improspieler*in. Wie wunderbar sich das anfühlt, wenn mein Kollege wirklich das aufnimmt, was ich gerade getan habe. Wenn mein Satz wirklich bei ihm etwas auslöst und uns under der Szene einen neuen Moment beschert. Echte Improvisation.
Von Alan Alda gibt es den (von mir in Workshops vielzitierten) Satz: „Listening is he willingness to be changed.“ Wenn ich meine Aufmerksamkeit einfach komplett auf das Gegenüber verlagere, wirklich zuhöre, mich dem Gehörten wirklich aussetze, dann ist jede Begegnung eine Möglichkeit, Veränderungsfähigkeit zu üben. Darum liebe ich es, mit Hendrik gemeinsam mit der Meisner-Technik und unseren Methoden des emotionalen Zuhörers Menschen zu trainieren. Plötzlich wird so klar, welche Momente wir übergehen, wie wenig wir wirklich aufnehmen und wie wenig wir uns wirklich der anderen Person aussetzen. Und gleichzeitig bricht etwas auf. Es geschieht etwas Faszinierendes: Wir wohnen der Veränderung zwischen zwei Menschen bei. Wir sehen Improspieler*innen, die Moment für Moment die Szene miteinander entdecken und sich scheinbar ganz mühelos der Veränderung- und der Szene – hingeben.
Und was passiert? Wachstum. Ein gemeinsames Sich-besser-Kennenlernen, eine Verbundenheit, die dadurch entsteht, wirklich etwas miteinander erlebt zu haben. Menschen, die fähig sind, von dem abzurücken, mit dem sie den Raum betreten haben. Unser Arbeit macht mich auch hoffnungsvoll für uns als Gesellschaft. Was, wenn es nicht mehr wichtiger ist, zum „richtigen Lager“ zu gehören, als wirklich in Austausch miteinander zu gehen und etwas Neues über das Gegenüber und über mich zu erfahren? Wir lassen Sicherheiten ziehen und erlauben uns, uns selbst anders zu sehen.
Nadine Antler – März 2026



